Es weihnachtet sehr

Besinnlich oder Betriebsam

„Von draus vom Walde komm´ ich her. Ich muss Euch sagen, es weihnachtet sehr…. “  ist eine Zeile aus einem alten deutschen Weihnachtsgedicht von Theodor Sturm. Das schönste aller Feste ist nicht mehr weit und viele werden zwischen den Jahren Urlaub haben oder sich frei nehmen. Da fragen sich sicherlich viele, was sollen sie mit der Freizeit machen? Ich habe neulich in einen Karriere-Blog eine Empfehlung gelesen, die Zeit zwischen den Jahren zu nutzen um die Karriere nach vorne zu bringen. Es wurden viele Tipps gegeben was alles zu tun ist um den nächsten erfolgreichen Schritt in der Karriere im neuen Jahr zu machen. Der Artikel veranlasste mich diesen Beitrag zu schreiben. Mein erster Gedanke war, für die Karriere ist doch das ganze Jahr genügend Zeit. Muss das in der Weihnachtszeit sein? Wer das Glück hat zwischen den Jahren frei zu haben sollte diese Freizeit nutzen um zur Ruhe zu kommen und die leeren Batterien aufzuladen. Also erst einmal durchatmen und entspannen. Ob ich eine betriebsame oder besinnliche Weihnacht verbringe kann ich selber beeinflussen.

Hektik 

Die Vorweihnachtszeit ist immer hektisch. Der Benediktiner Pater Anselm Grün schreibt in seinem Buch Herzensruhe: „Das Leben ist heute von dieser aggressiven Grundstimmung geprägt. Da erlauben wir uns gar nicht mehr auszuruhen.“ Er spricht von der Hektik und erklärt, dass dieses Wort vom griechischen Wort „hexis“ kommt. Hexis bedeutet Haltung und Zustand. In der Medizinsprache bedeutet ein hektisches Fieber „ein lang anhaltendes chronisches Fieber“. Genauso fühle ich mich manchmal in dieser Zeit. Die vielen Tätigkeiten, die den Tag verplanen kommen mir vor wie ein hektisches Fieber welches nicht aufhört. Er schreibt weiter über die getriebenen Menschen, die gehetzt werden und nie zur Ruhe kommen und wie ungesund das sei.

Weihnachtsstress

Getrieben von den Anforderung anderer und dem eigenen Erfolg vergessen wir das dass der Mensch zur Ruhe kommen muss um Kraft und Energie für seine Aufgaben zu tanken.

Mir kommt es dabei manchmal vor als ob die Menschen glauben, an Weihnachten hört die Welt auf sich zu drehen. Immer früher werden in den Geschäften die Weihnachtsartikel angeboten. Da gibt es bereits im September Lebkuchen zu kaufen. Ende November wird dann bereits der Konsum mit Cybermonday oder Black Friday angeheizt. Anfang Dezember kann ich mich vor Verlockungen und Schnäppchen kaum noch retten. Zu den üblichen persönlichen Vorbereitungen und Einkäufen für das Fest kommen geschäftliche Kundenbesuche, Weihnachtsfeier, Kunden für das Geschäft danken. Weihnachtskarten versenden, Jahresberichte vorbereiten etc. Staus auf der Autobahn, schlechtes Wetter und Termindruck. Wer es noch nicht gemacht hat muss sich die Einkommenssteuererklärung fertig machen. Termine über Termine. Das ist die Hetze von der Anselm Grün schreibt. Zu Ruhe kommen fällt da schwer.

Zur Ruhe kommen
Das Weihnachtsfest ist für mich das schönste Fest und ich freue mich jedes Jahr darauf. Ich feiere mit meiner Familie ganz traditionell Deutsch mit Weihnachtsbaum, Stille Nacht, Heilige Nacht singen,  Würstchen essen und am ersten Feiertag gibt es einen Gänsebraten. Dazu einen leckeren Wein. Wenn die Geschenke ausgepackt sind und die Gans verspeist, ist endlich mal Zeit für Muße. Früher habe auch ich die Zeit zwischen den Jahren genutzt um Dinge zu erledigen, die liegen geblieben sind. Heute versuche ich das bewusst nicht zu machen und zur Ruhe zu kommen. Das fällt mir immer noch schwer, obwohl ich in den letzten Jahren viel dazugelernt habe was dieses Thema betrifft. Es ist schwer einfach mal nix zu tun. Das schlechte Gewissen befällt mich in solchen Momenten. In unserer Gesellschaft wird Nichtstun mit Faulheit oder Unproduktivität gleichgesetzt. So sind wir erzogen. Das stimmt aber nicht. Für Körper und Seele ist es überaus wichtig zur Ruhe kommen. Nur dann kann ich über das Leben, die Welt und Probleme die mich beschäftigen achtsam nachdenken. Und genau das ist wichtig. Achtsam nachdenken, denn nur wer nachdenkt kann eine gute Entscheidung für die Zukunft treffen. Ich werde dieses Jahr die Zeit zwischen den Jahre dazu nutzen. Versuchen Sie es auch. Und übrigens, die Welt dreht sich nach Weihnachten auch noch.

Frohe Weihnachten

Ich wünsche allen Lesern ein geruhsames und besinnliches Weihnachtsfest. Kommen Sie zur Ruhe. Schenken sie Ihren Lieben Ihre volle Präsenz, denn für einen anderen lieben Menschen wahrhaft präsent zu sein ist das größte Geschenk dass man geben kann. Gehen Sie mit der Familie in den Wald spazieren. Genießen Sie die Zeit mit Ihren Lieben. Vergessen Sie für diesen Augenblick Ihre Sorgen und Ängste und genießen Sie den Moment. Schreiben Sie mir gerne in die Kommentare wie Sie das Fest feiern. Wie kommen Sie zur Ruhe und womit tanken Sie Kraft?

Euer

Stefan G. Moll